Der Waffenstillstand in Gaza bringt Geiseln nach Hause und beendet den zweijährigen Krieg. Doch sind sich die Führer uneins über die nächsten Schritte – ist dies Frieden oder nur eine Atempause?
- Oct 14, 2025
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Zum ersten Mal seit zwei Jahren gehen die Anrufe ein, von denen Familien nur geträumt hatten. In Tel Aviv und Chan Yunis verwandeln sich Tränen der Qual in Tränen der Freude, als die letzten 20 israelischen Geiseln und fast 2.000 palästinensische Gefangene nach Hause zurückkehren. Diese rohe, menschliche Erleichterung ist das erste greifbare Ergebnis eines hart erkämpften Waffenstillstands in Gaza, einer Vereinbarung, die die Waffen nach einem brutalen Konflikt zum Schweigen gebracht hat, der Zehntausende von Menschenleben forderte und ganze Stadtviertel dem Erdboden gleichmachte.
Im Zentrum des Geschehens steht US-Präsident Donald Trump, der von Jerusalem bis Scharm El-Scheich eine Ehrenrunde dreht. In einer Rede vor einer tosenden israelischen Knesset, wo die Abgeordneten rote Kappen mit der Aufschrift „Trump der Friedenspräsident“ trugen, erklärte er: „Der lange und schmerzhafte Albtraum ist endlich vorbei.“ Später, flankiert von arabischen Führern in Ägypten und mit der höchsten Auszeichnung des Landes dekoriert, unterzeichnete er eine Erklärung zur Festigung des Waffenstillstands und versprach: „Jetzt beginnt der Wiederaufbau.“ Für den Architekten des Abkommens ist der Krieg eindeutig gewonnen und ein neues Zeitalter für den Nahen Osten angebrochen.
Doch diese triumphale Erzählung beschönigt einen tiefen und prekären Riss im Fundament dieses neuen Friedens. Während Trump darauf besteht, dass der Krieg „vorbei“ sei, hat sein engster Partner bei dem Abkommen, der israelische Premierminister Benjamin Netanjahu, keine solche Erklärung abgegeben. Unter immensem Druck von rechtsextremen Koalitionsmitgliedern, die eine Fortsetzung des Krieges fordern, hat sich Netanjahu öffentlich nur zu „diesem Frieden“ bekannt – eine sorgfältig gewählte Formulierung, die hinter Trumps Endgültigkeit zurückbleibt. Die grundlegende Meinungsverschiedenheit darüber, ob es sich um einen Waffenstillstand oder ein Ende des Krieges handelt, offenbart eine zerbrechliche Übereinkunft, die vielleicht mehr durch die schiere Willenskraft eines Mannes als durch gegenseitigen Konsens zusammengehalten wird.




